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Naturalismus

November 27, 2018

Der Naturalismus war eine Kunstrichtung, die zwischen 1870 und dem Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Ausprägung fand. Man bezeichnet den Naturalismus auch als abgemilderte Form des Realismus. Während der Realismus die Wirklichkeit auch noch verknappt oder überspitzt darstellt, beschäftigt sich der Naturalismus mit den Details, die die Wirklichkeit mit sich bringt. Jede künstlerische Verstellung wird abgelehnt. Die Natur des Gegenstandes wird so auf Leinwand gebracht, wie sie tatsächlich in der Realität zu erkennen ist. Der Naturalismus bildet sich in einer Epoche aus, in der die Naturwissenschaft im Vordergrund steht.

Ein positives Denken ist unter den Wissenschaftlern verbreitet. Die Zeit des Naturalismus ist geprägt durch die Evolutionstheorie Charles Darwins. Die Lust der Naturalisten rührt darin, sich mit der Darstellung der Welt in ihrer natürlichen Ausprägung zu beschäftigen. Wir wissen aber hier, dass dies nur eine Betrachtung der Welt zu dieser Zeit ist. Die Kunststile Impressionismus und Expressionismus sind ebenfalls in dieser Zeit ausgeprägt und beziehen sich auf eine durchaus gegensätzliche Sicht der Dinge.

Der Geist wandelt sich in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in einen wissenschaftlich-analytischen Ansatz, der nicht mehr viel Raum lässt für Spekulationen, sondern von genauen, realistischen Betrachtungsweisen ausgeht. Die Bevölkerung in dieser Zeit zieht es vom Land in die Stadt. Die fortschreitende Industrialisierung führt zu Bewegung und dem Aufkommen sozialer Fragestellungen.</p>

Die Thematik naturalistischer Werke beinhaltet auch die Darstellung sozialer Themen, die in diesen Jahrzehnten erstmals eine Rolle spielen. Den Naturalisten geht es wie den Realisten darum, die innere Wahrheit in einer Szene darzustellen und sie nicht zu beheben, und zu idealisieren. Die zu dieser Zeit aufkommende Zinkfarbe in Tuben hatte den Vorteil, dass der Künstler sie einfach in die Natur mitnehmen konnte und dort genau auf die Darstellung von realistischen Formen und Farben in ihren naturgetreuen Abmaßen zurückkommen konnte.

Ein berühmter Vertreter der Naturalismus ist der deutsche Maler Max Liebermann, der als Sohn jüdischer Industrieller aufwuchs. Seine Kunst zeichnet sich aus durch die Darstellung bäuerlicher Szenen, die er durch Beobachtung erfasste und die ihm von Haus aus nicht vertraut waren. Er wählte zunächst solche Szenen unbeliebter Art, bei denen es um beschwerliche oder wenig schöne Tätigkeiten des Bauern ging. Eines seiner ersten Werke beschäftigt sich mit dem Rupfen von Gänsen, ein weiteres mit der Darstellung einer Rübenernte. Die Farben, die der Künstler verwendet, sind dunkle Brauntöne, die abgedämpft sind. Das Leben der Bauern wird von ihm nicht idealisiert oder romantisiert. Er bringt die Arbeit der Menschen auf die Leinwand. Sein Werk ist auch durch seine Reisetätigkeit durch das westliche Europa geprägt und zeichnet sich durch eine realistische, unbeschönte Darstellung des Menschen aus.